Ein Ort, der bleibt
Es gibt Orte, an denen wir anders atmen.
Das Meer. Ein Waldweg. Ein Garten. Ein bestimmter See.
Orte, an denen die Gedanken leiser werden und wir wieder bei uns ankommen.
Ich weiß, wie wertvoll solche Orte sein können.
Denn ich habe selbst erlebt, was passiert, wenn ein Zuhause, das eigentlich Sicherheit und Ruhe geben soll, plötzlich kein Rückzugsort mehr ist.


Als ich draußen nach Ruhe suchte
Zweimal musste ich erleben, dass mein Zuhause nicht mehr der Ort war, an dem ich zur Ruhe kommen konnte. Beim zweiten Mal fiel diese Erfahrung mit einer schwierigen persönlichen Lebensphase und meiner Scheidung zusammen.
Ich fühlte mich zeitweise hilflos und wusste nicht, wo ich auftanken sollte.
Also ging ich mit meiner Kamera hinaus in die Natur.
Beim Spazierengehen fand ich etwas, das mir zu Hause fehlte:
Ruhe.
Besonders im Garten meiner Eltern fühlte es sich an, als würde die Zeit langsamer werden.
Ich begann, diese Momente zu fotografieren.
Doch bald merkte ich, dass ich nicht einfach Landschaften festhalten wollte.
Mich interessierte das, was ein Ort mit uns macht.
Die Kamera meiner Großmutter
Als ich später in das Haus meiner Großmutter zog, das direkt an einem Wald liegt, fand ich ihre alte Polaroidkamera.
Mit genau dieser Kamera hatte sie mich bereits fotografiert, als ich vier Jahre alt war.
Jahrzehnte später hielt ich dieselbe Kamera wieder in den Händen.
Für mich war das mehr als eine schöne Erinnerung.
Es war, als würde sich ein Kreis schließen.
Die Kamera meiner Kindheit wurde zum Werkzeug meiner eigenen künstlerischen Arbeit.
Ich begann, mich intensiver mit dem Polaroid zu beschäftigen – mit seiner Unmittelbarkeit, seiner Vergänglichkeit und seiner Fähigkeit, sich während des Entstehens zu verändern.
Und ich begann mich zu fragen:
Kann ein Bild nicht nur zeigen, wie ein Ort aussieht, sondern auch etwas von dem bewahren, was wir dort fühlen?

Was zwischen den Bildern liegt
Diese Frage begleitet mich bis heute.
In meiner Fotokunst suche ich nicht nach der perfekten Abbildung einer Landschaft.
Mich interessiert der feinstoffliche Abdruck eines Ortes.
Die Atmosphäre.
Das Licht.
Die Stille.
Eine Erinnerung.
Ein Gefühl, das sich nicht fotografieren lässt und trotzdem da ist.
Aus dieser Suche sind meine Kraftort-Polaroids entstanden – abstrakte Kunstwerke, in denen Fotografie, Natur und Zeit miteinander verbunden werden.
Warum ich Kunst mache
Vielleicht liegt genau darin der Kern meiner Arbeit:
Ich möchte nicht einfach schöne Bilder schaffen.
Ich möchte etwas bewahren, das uns wichtig ist.
Einen Moment.
Eine Erinnerung.
Eine Verbindung.
Ein Gefühl.
Denn manche Orte begleiten uns ein Leben lang, auch wenn wir gerade weit von ihnen entfernt sind.
Und manchmal reicht ein Bild, um uns für einen Augenblick dorthin zurückzubringen.

Ein Ort, der bleibt.
Heute bin ich Fotokünstlerin und arbeite mit analoger Polaroid-Fotografie, Naturmaterialien und den Geschichten hinter persönlichen Kraftorten.
Meine Kunst entsteht langsam und darf sich verändern.
Vielleicht ist das auch eine kleine Erinnerung an das, was mir selbst auf meinem Weg geholfen hat:
anzuhalten, wahrzunehmen und dem Raum zu geben, was Kraft gibt.
